In Luxemburgs einziger staatlicher Baumschule werden rund eine halbe Million Pflanzen gezüchtet. Wird das für eine Zukunft reichen, die von Wetterextremen geprägt ist?
Nicht nur die Pflanzen, sondern auch die fünf Mitarbeiter*innen der öffentlichen Baumschule in Flaxweiler ächzten schon um 11 Uhr vormittags unter der Hitzewelle. Förster Thierry Diedenhofen misst mit einem Laserthermometer die Bodentemperatur: 52,3 Grad. Das Team gießt seit sechs Uhr morgens, damit das Wasser nicht sofort verdampft: Während der Hitzewelle brauchen sie täglich Tag etwa so viel Wasser, wie sonst in einer ganzen Woche. "Alles Quell- und Regenwasser", betont Diedenhofen, während ein Traktor die nächste Fuhre zum Tank bringt. Eine der Pumpen des Bewässerungssystems hat zu Beginn der Woche den Geist aufgegeben – zum Glück wurden sofort zwei verbaut, für genau diesen Fall. "Hier muss man Gärtner, Logistiker, Handwerker und Bauingenieur gleichzeitig sein", sagt der Chef der Baumschule und selbst ehemaliger Förster schmunzelnd: "Wir haben ein super Team, das bereit ist, auch mal früher oder später zu kommen, wenn es nötig ist."
Das rund 2,4 Hektar große Gelände ist die letzte staatliche Baumschule des Landes, nachdem die anderen fünf um den Jahrtausendwechsel geschlossen wurden. Die Entscheidung war damals das Resultat eines Umdenkens: Natürliche Naturverjüngung galt als beste Herangehensweise, um die Wälder des Landes zu erhalten. Wenn man den Wald mehr sich selbst überlässt, wird die Natur schon einen Weg finden. Soweit die Theorie.
Strategiewechsel
Doch die Realität des Klimawandels, mit seinen extremen Hitzewellen und Trockenperioden, gefolgt von Sturzfluten hat diese an ihre Grenzen gebracht. Der Wald, in dem Zeit in Jahrhunderten gemessen wird, konnte schlicht nicht mit den Veränderungen mithalten. Kombiniert mit den künstlichen Monokulturen in weiten Teilen des Landes führt dies zum weit verbreiteten Baumsterben, das wir heute sehen. Schnell wurde deutlich, dass die vom Menschen verursachten Veränderungen nun scheinbar auch etwas menschliche Intervention zu brauchen scheinen, um wieder ins Lot zu kommen. Zumindest, wenn wir den Wald in etwa so erhalten wollen, wie wir ihn kennen.
Du willst mehr? Hol dir den Zugang.
-
Jahresabo185,00 €/Jahr
-
Monatsabo18,50 €/Monat
-
Zukunftsabo für Abonnent*innen im Alter von unter 26 Jahren120,00 €/Jahr
Du hast bereits ein Konto?
Einloggen