Die Debatte über Gewalt in der Geburtshilfe hat auch in Luxemburg Spuren hinterlassen und viele Frauen verunsichert. Gleichzeitig berichten Hebammen und Ärzt*innen von Veränderungen in den Kliniken und davon, dass viele Geburten im Krankenhaus respektvoll und positiv erlebt werden. Über eine schöne Geburt und Angestellte, die ihr Bestes geben.
"Meine Geburt war fast schon filmreif. Es ging alles so schnell, dass ich beinahe dachte, ich muss mein Kind im Taxi auf die Welt bringen", erinnert sich Sally Merres schmunzelnd. Am 5. November 2025 gegen zwei Uhr nachts ist ihre Fruchtblase geplatzt, zwei Wochen vor dem berechneten Geburtstermin. Sally und ihr Partner Shane sind zu ihrer Mutter gefahren, um ihren Hund dort abzuliefern. Eigentlich wollten sie direkt weiter in die Clinique Bohler fahren, aber das Auto sprang nicht mehr an – die Batterie war leer. Also musste Shane ein Taxi bestellen. Während der Fahrt wurden Sallys Wehen immer stärker und sie überkam die Übelkeit. Der Fahrer musste neben dem Kreisverkehr in Kirchberg stehen bleiben, weil sie sich übergeben musste. Im Geburtssaal vom Krankenhaus angekommen, wurden sie direkt von anderen erwartenden Pärchen vorgelassen.
Die Geburt von Sallys Kind hat keine vier Stunden gedauert: Um 05.55 Uhr war ihre Tochter Sadie auf der Welt. Da es sich um ihr erstes Kind und ihre erste Geburt handelte, entschied die 34-Jährige sich für eine Krankenhausgeburt. "Eine Hausgeburt stelle ich mir zwar romantisch vor, aber ich hatte Bedenken, dass Komplikationen auftreten können und ich nicht schnell genug Hilfe bekomme", erklärt Sally. Auf den Rat ihrer Freundinnen hin hat sie sich so schnell wie möglich eine freiberufliche Hebamme gesucht, die sie während der Schwangerschaft begleitet hat. Diese durfte wegen ihrer Freiberuflichkeit bei Sallys Geburt im Krankenhaus jedoch nicht dabei sein. Sally wurde demnach von derjenigen Hebamme betreut, die zu dem Zeitpunkt ihrer Geburt im Dienst war. Unglücklicherweise konnte auch Sallys Gynäkologe nicht bei ihrer Geburt dabei sein, weil er im Urlaub war. Schließlich war es zufälligerweise die Gynäkologin ihrer Mutter, die Sadie zur Welt brachte.
Bei Sallys Geburt war laut ihrer eigenen Aussage alles einvernehmlich und wurde gut kommuniziert, sie erfuhr weder physische noch psychische Gewalt (siehe Infobox). "Vielleicht war das naiv von mir, aber ich habe bei Geburten nie an Gewalt gedacht", gibt Sally an. "Das kann aber auch daran liegen, dass ich aktiv negative Geburtsberichte vermieden habe. Nicht, weil ich diese nicht als Realität sehe, sondern weil ich keine Angst vor der Geburt bekommen wollte." Eigentlich wollte Sally eine Wassergeburt, aber weil alles so schnell ging, war dafür keine Zeit. Eine Epiduralanästhesie wäre zeitlich drin gewesen, letztlich lehnte sie diese aber ab. Im Nachhinein beschreibt sie die Schmerzen als erträglich und erzählt, dass sie nur vier- bis fünfmal pressen musste – dann war Sadie schon da. Es gab lediglich eine Situation, in der sie sich unsicher fühlte und den Eindruck hatte, dass ihr nicht ausreichend zugehört wurde. Als Sally an der Entbindungsstation ankam, war ihr Muttermund sechs Zentimeter weit geöffnet. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde hatte sie bereits das Gefühl, dass sie pressen musste und teilte dies der Hebamme mit, welche der ihr hingegen versicherte, dass es noch zu früh sei.
Du willst mehr? Hol dir den Zugang.
-
Jahresabo185,00 €/Jahr
-
Monatsabo18,50 €/Monat
-
Zukunftsabo für Abonnent*innen im Alter von unter 26 Jahren120,00 €/Jahr
Du hast bereits ein Konto?
Einloggen