Essen mit Neil Young

Von Pascal SteinwachsLex Kleren

Im Studio von Tun Tonnar in Bonneweg treffen Gitarren auf Beats, Ernst auf Ironie - und Vater auf Sohn. Serge und Tun Tonnar erzählen uns nicht nur von ihrer Musik, sondern auch von Haltung und Gegenwind. Ein Doppelporträt.

Tun Tonnar empfängt uns in seinem Studio in Bonneweg, also dort, wo sich normalerweise die Sänger*innen und Musiker*innen die Klinke in die Hand geben. In der angrenzenden Küche riecht es immer noch leicht nach (dem) Fisch, den sich der 31-Jährige am Vorabend gebraten hatte. Für uns macht er einen Kaffee, natürlich ohne Zucker und Milch – ist gesünder.

Sein Vater Serge ist noch nicht da, so dass Tun die Gelegenheit nutzt, uns ein neues, noch unveröffentlichtes Lied der von ihm produzierten luxemburgischen Rapperin Shania Kraemer vorzuspielen, die wir vor kurzem porträtiert haben, und mit der er regelmäßig zusammenarbeitet. Und ja: An den sehr expliziten Texten ist Tun alles andere als unschuldig (Stichwort: "Pussy Sommelier").

Dann kommt auch schon sein Vater Serge, den wir noch von früher kennen. Luxemburg ist klein, und im Nachtleben ist man sich immer mal wieder über den Weg gelaufen – allerdings zumeist angeschickert.

Wir hatten uns schon lange vorgenommen, mit beiden zu sprechen. Warum also nicht gleich gemeinsam, und da wir nun schon einmal zusammen in einem Studio sitzen, nehmen wir vor dem eigentlichen Interview spaßeshalber noch eine luxemburgische Coverversion der Beatles-Schnulze Let It Be auf: Serge am Piano und als Refrainsänger, Tun als Leadsänger und wir an der Gitarre – natürlich ganz ohne Akkord, so wie wir das nun schon seit Jahrzehnten mit viel Fleiß und großer Begeisterung tun. Bekannte Songs auf Luxemburgisch zu übersetzen, ist übrigens ein Hobby von Tun, wovon man sich auf TikTok überzeugen kann, wo der Produzent unter seinem Alias Turnup Tun äußerst aktiv ist – das Let-It-Be-Video der Luxembourgish Beatles ist hier natürlich ebenfalls abrufbar und hat bereits über 7.600 Views.

Das Vater-Sohn-Verhältnis scheint indes sehr eng und auch sehr harmonisch zu sein. Es handelt sich hier zwar um zwei sehr unterschiedliche musikalische Temperamente, aber die widersprechen sich nicht, sondern befeuern sich gegenseitig, zumindest an diesem Nachmittag.

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