Ein Liebhaber ungeahnter Schönheit

Von Laura TomassiniLex Kleren

Eichelhäher, Polarfuchs, Raubfliege – Gianni Del Bianco hatte sie bereits alle vor der Linse. Vom kleinsten Käfer bis hin zum imposanten Ochsen weiß der Natur- und Makrofotograf jedes seiner Motive richtig in Szene zu setzen, und das, ohne sie in ihrem natürlichen Umfeld zu stören.

Mitten im Satz ein Blick zur Seite, ein leises Anpirschen, der Switch in die Hocke. „Hier seht ihr zum Beispiel zwei Minzblattkäfer bei der Paarung“, erklärt Gianni Del Bianco zwischen zwei Fragen im Interview. Seit fast 15 Jahren ist der Naturfotograf in Luxemburgs Wiesen und Wäldern unterwegs, um hier das einzufangen, was anderen meist verborgen bleibt. „Das ist das Tolle an Makrofotografie, man kann den Leuten Dinge nahebringen, die sie sonst nie gesehen hätten. Der Minzblattkäfer etwa wirkt auf den ersten Blick wie ein normaler Käfer, wenn man ihn sich jedoch näher ansieht, entdeckt man seine vielen Farben. Dabei handelt es sich nicht einmal um einen Exoten, sondern eine gängige Art hier in Luxemburg“, so der Fotograf.

Bereits als kleiner Junge liebte Gianni alles, was mit Natur zu tun hatte. Die „sciences naturelles“ als Fach, die Waldausflüge mit der Schule, Trips nach Lasauvage – der Escher fühlte sich stets im Einklang mit seiner natürlichen Umgebung und sucht auch heute die innere Ruhe, die er hier verspürt. „In meinem Bürojob als Haustechnik-Planer arbeite ich sehr viele Stunden, was natürlich auch mit Stress verbunden ist. Nach der Arbeit habe ich irgendwann einen Ausgleich gebraucht und die Natur schien mir da der richtige Weg“, so Gianni. Dass sich aus diesem Bedürfnis heraus eine wahre Leidenschaft entwickeln würde, hätte der 34-Jährige anfangs nicht gedacht. „Man sieht unterwegs 100.000 Dinge und erzählt dann Zuhause davon, allerdings kann der Partner damit nicht wirklich etwas anfangen. Also habe ich mir gedacht, ich müsse das Gesehene einfach bildlich festhalten.“

Kein Schnickschnack, sondern Technik, die funktioniert

Am Anfang noch quer durch den Garten, fotografierte Gianni mit seiner 300 Euro Basis-Spiegelreflexkamera alles, was ihm vor die Linse kam. Schnell aber merkte er, dass sein wahres Talent nicht in der Ablichtung von Architektur oder Menschen lag, sondern beim Fotografieren von Wildleben und deren natürlichem Umfeld. Gianni entwickelte sich zum Landschafts- und Makrofotografen, nicht jedoch, ohne die typischen Phasen des Künstler-Daseins zu durchlaufen. „Man sieht sehr viele Referenzfotografien, die man am Anfang selbst so nicht hinbekommt. Das führt dann zu Frustration, mit der Zeit aber lernt man dann Leute kennen, die einem einiges erklären und so hat sich das dann ergeben.“

Durch seine ständigen Ausflüge in die Natur kam Gianni nicht an der dafür nötigen Ausrüstung vorbei, denn wer draußen fotografieren will, der braucht auch ordentliche „Gear“. „Man kauft das Material seinem Bedarf nach, bei mir war das erstmal wasserfestes Kamera-Equipment, das auch Staub standhält. Da bewegt man sich schnell im Profibereich, was so viel bedeutet, als dass die letzten zehn Prozent exorbitant teuer werden. Man bezahlt dafür locker 2.000 bis 3.000 Euro mehr“, verrät der Fotograf. Der Canon- und Nikon-Fan, der aktuell mit einer spiegellosen Canon EOS R5 fotografiert, hält nicht viel von Schnickschnack, sondern setzt auf Kameras, die Leistung bringen – und zwar dann, wenn sie gebraucht wird: „Für mich ist es hauptsächlich wichtig, dass mein Apparat technisch funktioniert. Manche Momente wiederholen sich nie mehr, wenn bei einer Norwegenreise plötzlich ein Polarfuchs vor mir steht, dann will ich nicht erst den Vater Unser beten müssen, ob meine Kamera auch geht.“

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