Die Straße durch ihre Augen

Von Misch Pautsch

Auf der Suche nach einzigartigen Momenten flanieren „Street Photographer“ durch die Städte der Welt – eine Kunstform, die Menschen im Alltag zeigt, wie sie sind – unverschönt ehrlich und poetisch zugleich. Zwei Straßenfotografen aus Luxemburg erzählen dem Lëtzebuerger Journal, was sie auf die Straßen zieht.

Von welchen Momenten machen wir Fotos? Spätestens seit Smartphones die Schnappschüsse quasi kostenlos gemacht haben und fast jede*r eines in der Tasche hat, lässt sich die Frage einfach beantworten: von fast allem. Vom schnellen Natur-Foto während eines Spaziergangs, über das instagramfähige Mittagessen oder den süßen Blick eines Haustieres, hin zum Familienporträt, das eingerahmt an die Wand gehängt wird – fast jeder Moment lädt ein, verewigt zu werden, egal wie groß oder klein. Aber obwohl heute fast jeder Augenblick abgelichtet wird, kann die Fotografiebewegung, der Marc Erpelding und Dirk Mevis angehören, auf den ersten Blick befremdlich wirken. Denn sie fotografieren genau das, was an den meisten Menschen fast unbeachtet vorbeizieht: Die Straßen sind ihre Szenerie und fremde Menschen – meist unwissend – ihre Statist*innen. Die beiden Luxemburger sind „Street Photographer“ (Straßenfotografen) und reihen sich damit in eine lange Tradition individueller und künstlerischer Dokumentation des alltäglichen Lebens auf den Straßen ein.

Straßenfotografie („Street Photography“) im breitesten Sinne ist fast so alt wie die Fotografie selbst: Nur 16 Jahre nach der Erfindung der ersten Kamera durch Joseph Nicéphore Niépce im Jahr 1816 machte Louis-Jacques-Mandé Daguerre Fotos vom Straßenleben in Paris. Auf seinem ersten Bild war wegen der langen Belichtungszeit, die damals nötig war, weil Technologie noch in ihren Kinderschuhen war, nur der verschwommene Umriss eines Mannes zu sehen, der sich die Schuhe polieren ließ. Alle anderen Personen wurden durch die enorme Bewegungsunschärfe unsichtbar. Aber der Moment, in dem der Mann seine Schuhe polieren lies, wurde Teil der Kunstgeschichte. Das Foto sollte das Fundament einer neue Kunstrichtung sein, die sich bis heute in konstantem Wandel befindet. Nicht zuletzt, weil in den mittlerweile fast 200 Jahren kein Konsens darüber gefunden wurde, was Straßenfotografie eigentlich genau.

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