Die religiöse Symbolik der Türkei erschreckt die EU

Von Bill Wirtz Für Originaltext auf Englisch umschalten

Letztes Jahr verwandelte die türkische Regierung das Museum der Hagia Sophia in eine große Moschee. Der Schritt war ein politisches Kalkül, das in bestimmten Religionsgemeinschaften, bei Verfechtern des Säkularismus und in Brüssel Empörung auslöste. Die Umwandlung ist mehr als eine bloße Formalität, sie trifft den Kern der komplizierten Beziehung zwischen der EU und der Türkei. Bill Wirtz untersucht die politischen Implikationen dieses Schrittes sowohl in Luxemburg als auch vor Ort in Istanbul.

*Dieser Artikel existiert dank der Hilfe von Nazlıcan Kanmaz, die Gespräche vom Türkischen ins Englische übersetzte, bei der Navigation durch Istanbul half und die Fotos machte, die Sie in diesem Beitrag sehen können.

Der „Marmaray“-Zug, der unter der Bosporusstraße hindurchfährt und die asiatische Seite Istanbuls mit der europäischen verbindet, kommt zischend zum Stehen. Istanbul befindet sich mitten in einer Pandemie, aber in einer Stadt mit fast 16 Millionen Einwohner*innen ist das in der Metrostation Sirkeci, die täglich von über einer Million Menschen genutzt wird, kaum zu erkennen. Die langen Hallen der Station füllen sich mit Menschen, einige stehen vor einem Wegweiser, der auf die zahlreichen Ausgänge hinweist. Das Schild, das früher den Weg zum Hagia-Sophia-Museum zeigte, hat jetzt einen frischen Aufkleber, der die alten Buchstaben überdeckt. Es lautet nun „Ayasofya-i Kebir Cami-i Şerifi“, die „Heilige Große Moschee Hagia Sophia“.

Eine Gruppe von Tourist*innen macht sich auf den Weg den Hügel hinauf zur Hagia Sophia. Das 55 Meter hohe Gebäude überragt Istanbul und zieht majestätisch die Blicke von Tourist*innen und Einheimischen gleichermaßen auf sich. Ein Sicherheitskontrollpunkt mit schwer bewaffneten Polizist*innen prüft Taschen in einem aufgestellten Zelt. Es gibt keine Warteschlangen mehr für Eintrittskarten, aber Frauen suchen krampfhaft nach einer Möglichkeit ihr Haar zu bedecken, während einige ihre eigenen Tücher mitgebracht haben, um die Regeln der neuen Moschee einzuhalten. Das Wort „neu“ ist für diejenigen, die die Geschichte der Hagia Sophia kennen, historisch ambivalent.

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