Der letzte Hutmacher

Von Laura TomassiniLex Kleren

Fedora, Trilby und Schiebermütze: Sie alle gehören zum täglich Brot von Modist*innen und machen aus einem gewöhnlichen Outfit den Look mit extra Klasse. Die goldene Zeit der großen Hüte scheint jedoch passé und Hutmacher*innen in Europa bangen um ihre Existenz. In Luxemburg hat ein bisschen Hutliebe überlebt.

„Ein wenig verrückt muss man schon sein, sonst wird man nicht Hutmacher.“ Mit viel Witz und Humor erzählt Marco Laux von Strohhüten und festlichem Kopfschmuck namens Fascinators, von Cowboy-Hüten aus Biberfell und modellierbarem Filzstoff und einem Berufsstand, der so kaum mehr existiert. Seit 2000 leitet der gelernte Modistenmeister den Hutladen mit Atelier in der „Louvignysgaass“. Während Modes Nita früher einmal mehrere Geschäfte in Luxemburg zählte, ist der Familienbetrieb mittlerweile der letzte seiner Art, denn das Hutmachen gehört längst nicht mehr zu den gefragtesten Metiers.

„Als meine Frau Sandy vor sieben Jahren die Meisterprüfung absolvierte, gehörte sie in ganz Deutschland zu den letzten fünf, die diese antraten“, verrät der 53-Jährige. Auch er war in seiner damaligen Klasse eine Rarität, denn als Marco in den 80ern beschloss, seine Schreinerlehre zu schmeißen und Modist zu werden, sorgte dies erstmal für großes Staunen. „Damals war Modistin eigentlich noch ein Frauenberuf, aber das hat mich kein Stück gestört, denn ich bin schon als kleiner Junge zwischen Hutkisten herumgetollt“, so der Hutmacher. 1968 hatte Marcos Tante Irene Schneider-Kieffer in Esch Modes Nita gegründet, Hüte haben in der Familie also eine langjährige Tradition.

Die Hutikonen namens Hepburn, Bogart und Chaplin

Doch der Beruf des*der Modisten*in, Hutmacher*in oder auf gut Deutsch „Putzmacher*in“ ist in den letzten Jahren in den Hintergrund gerückt, denn die goldenen Tage des Huttragens gehören in Luxemburg der Vergangenheit an. „In den 50er Jahren trug jeder Mann einen Hut, doch mit Präsident Kennedy ging diese Ära auf ein Ende. ‚Kennedy killed the hat‘ sagen wir in der Branche, auch wenn es umgekehrt kein Hutmacher war, der ihn erschoss“, so Marco mit einem Zwinkern. Als erstes amerikanisches Staatsoberhaupt, das keine Kopfbedeckung trug, löste Kennedy einen Wandel in der Modewelt aus. Nach dem berühmten Pillbox-Hut seiner Frau Jackie hingegen fragen Fashion-Begeisterte noch heute.

„Es gibt einige solcher Stilikonen in der Hutbranche, sei es Audrey Hepburn mit ihren Cloches, Humphrey Bogart, nach dem sogar eine Hutform benannt wurde, Charlie Chaplin, der die Melone geprägt hat oder Maurice Chevalier mit seinem Canotier. Danach kamen noch vereinzelte wie Michael Jackson oder Udo Lindenberg, alles jedoch Stars der älteren Generation“, meint der Modistenmeister. Im Hutatelier in der Stadt lasse man sich dennoch nicht vom etwas staubigen Image der Kopfbedeckungen trüben, denn hier werden noch Hüte aus Leidenschaft gemacht.

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