Das Schweigen weiter brechen

Von Jeff Mannes

Im März wurde eine Lehrkraft wegen teils sexueller Belästigung vom LCD, dem Diekircher Lyzeum, beurlaubt, Vorwürfe soll es aber bereits seit acht Jahren gegeben haben. Dies wirft erneut die Frage auf, wie es in Luxemburg um das Problem sexueller Belästigungen, sexualisierter Gewalt und #MeToo steht. Wir haben uns mit zwei Frauen und einem Mann unterhalten.

Triggerwarnung: Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Gewalt

„En Geste gewisen, wei grouss Brëscht ech hätt“, steht auf dem Bürgersteig in Remich, „Je vais bien te détruire ta chatte“ und „Wow, déi Nennen“ in Luxemburg-Stadt. Der Instagram-Account Cat calls of Luxembourg sammelt Geschichten von Personen, die Erfahrungen mit Belästigungen auf offener Straße gemacht haben und zeichnet diese mit Kreide auf den Boden. „Ich ziehe im Sommer manchmal nicht die Kleider an, die ich möchte und in denen ich mich wohlfühlen würde, aus Angst davor, wie manche Männer darauf reagieren könnten“, berichtet die junge Frau Marie*. „Und auch wenn ich bewusst weiß, dass Opfer sexueller Belästigung keine Mitschuld tragen, habe ich dieses Gefühl der eigenen Mitschuld durch meine Erfahrungen dennoch unbewusst verinnerlicht.“

15 Jahre nachdem zum ersten Mal der Satz „Me Too“ im Zusammenhang mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt benutzt wurde und dreieinhalb Jahre nach Beginn der „#MeToo“-Bewegung ist das Thema aktueller denn je. Das wurde spätestens durch die Beurlaubung eines Lehrers am LCD deutlich, nachdem nicht nur Schüler*innen in den sozialen Medien ihre Vorwürfe veröffentlichten, sondern im Nachhinein bekannt wurde, dass es schon seit Jahren ähnliche Vorwürfe gegen den Lehrer gegeben habe – ohne dass etwas passiert sei. „Über fragwürdige Nachrichten zu später Stunde wissen bereits Schülerinnen zu berichten, die das Gymnasium vor über acht Jahren verlassen haben,“ berichtete das Lëtzebuerger Journal Ende März. „Empfehlungen hinter vorgehaltener Hand, zu welchem Kurs Mädchen besser dicke Rollkragen-Pullover tragen sollten, sind mindestens genauso alt und waren damals schon bei vielen der jungen Frauen des Gymnasiums Allgemeinwissen.“ Im Interview mit dem Journal beschwerte sich eine Schülerin, dass sie das Gefühl hatte, dass die Sache lange Zeit nicht ernst genommen wurde.

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