Ausgesetzt: Wenn Haustiere zur Wegwerfware werden

Von Laura TomassiniLex KlerenAnouk Flesch

Wenn Tiere ausgesetzt werden, ist die Anteilnahme in den sozialen Medien groß. Doch hinter den Likes und Shares steckt eine Realität, die Tierschützer*innen seit Jahren kennen: das mangelnde Verantwortungsbewusstsein von Tierhalter*innen.

Vier Kaninchen, ausgesetzt im Wald. Zwei Welpen, gefunden hinter einer Hecke und in einer Mülltonne. Fälle, die schockieren, leider aber alles andere als Ausnahmen sind. Am 8. Dezember veröffentlicht der Tierschutzverein Association Luxembourgeoise pour la Protection des Animaux, kurz Alpa, auf Facebook einen Beitrag über zwei gefundene Welpen. Der Post wird über 800 Mal geliked, 170 Mal kommentiert, über 400 Mal geteilt. Entsetzen, Danksagungen an die Finder und Tierschützer*innen, Empörung gegenüber den ehemaligen Besitzer*innen erklingen in den Kommentaren – die Menschen sind schockiert.

Ein paar Tage zuvor, Ausnahmezustand in deutschsprachigen Medien: Ein Instagram-Post über ausgesetzte Kaninchen im Sommer geht viral. Das Tierheim Henstedt-Ulzburg veröffentlicht bereits am 23. August einen Zeugenaufruf: Vier freilaufende Zwergwidder, also jene süßen mit den hängenden Ohren, wurden im Rantzauer Forst in der Nähe von Hamburg gesichtet. Zwei können gerettet werden, eines ist bereits tot, wahrscheinlich gehetzt von einem Hund, ein viertes wird später gefunden. Das Tierheim erstattet Anzeige und es geschieht fast ein Wunder: Die Aussetzer*innen können identifiziert werden. Engagierte Nutzer*innen auf Tiktok und Instagram erkennen die Tiere wieder: Momfluencerin Alicia Vosgrau hatte diese gegen Ostern für ihre Kinder gekauft, viele süße Tier-Stories gepostet, ein paar Monate später setzte sie sie dann gemeinsam mit ihrem Mann Jan Vosgrau im Wald aus.

Kein Gefühl von Verantwortung

Ein neugeborenes Baby, Anzeichen von Burnout, familiäre Überforderung: die Influencerin entschuldigt sich öffentlich in ihrer Story, versucht sich an einer Erklärung. Einen Shitstorm gibt es trotzdem, seither ist die Kommentarfunktion unter ihren Beiträgen ausgeschaltet. Bei den Welpen aus Luxemburg kann leider kein*e ehemalige Besitzer*in identifiziert werden. Ob noch mehr Welpen im Wurf waren und irgendwo ausgesetzt wurden, weiß man nicht. Die beiden Fälle zeigen jedoch klare Parallelen und machen auf ein Problem aufmerksam, mit dem sich sonst vor allem Tierschützer*innen herumschlagen: das mangelnde Verantwortungsbewusstsein von Tierhalter*innen. Die Familie Vosgrau hatte eigentlich noch zwei weitere Kaninchen, die bereits vor dem Skandal gestorben sind. Kurz nach dem Aussetzen der übrigen Tiere schafft sich das Paar einen zweiten Hund an, so die Vorwürfe im Internet. Überprüfen lässt sich dies mittlerweile nicht mehr, denn alle Indizien zu den Tieren – außer dem langjährigen Familienmitglied Hund Snow – wurden gelöscht.

Die Frankfurter Allgemeine, das Hamburger Abendblatt, Spiegel und Bild-Zeitung berichten, Deutschland ist empört. Auch in Luxemburg wird der Welpen-Fall von den Medien aufgegriffen, das Tageblatt, das Luxemburger Wort, RTL, sie alle berichten von Paola und Jepolina, die nun bei Casa Perro Animal Rescue in Pflege sind und darauf hoffen, irgendwann von einer neuen Familie adoptiert zu werden. Die kleinen Hunde waren nicht mal einen Tag alt, als man sie in eisiger Kälte aussetzte – die blutverschmierte Nabelschnur hing noch am Bauch. Ohne die zwei Männer, die die Welpen bemerkten und beim Tierschutz meldeten, hätten sie nicht überlebt. Auch hier wird nun von der Polizei ermittelt, Hoffnung auf Klärung besteht jedoch kaum.

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