Christiane Fisch hat bei der Erziehung genau auf die Bildschirmzeit ihrer Kinder geachtet. Heute, über 15 Jahre später, beginnt die Politik, sich ähnliche Fragen zu stellen. Nach Australien denkt nun auch die EU über Regulierungen für soziale Medien bei jungen Menschen nach – während Luxemburg abwartet.
"Nachdem ich das gelesen hatte, konnte ich es eigentlich gar nicht anders machen!" Christiane Fisch tippt mit einem Finger auf den Band vor ihr auf dem Tisch: Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft von Manfred Spitzer. Das fast 20 Jahre alte Buch hat die Erziehungsprioritäten der Mutter von zwei Kindern stark geprägt. Seine Kernaussage sollte heute eigentlich selbstverständlich sein: Kleine Kinder zu früh zu viel Bildschirmen auszusetzen, ist schlecht für ihre Entwicklung. Zwar ging es damals um Fernsehbildschirme, doch bei Smartphones ist dies umso zutreffender. "Es geht nicht nur darum, die Zeit, die sie vor dem Bildschirm sitzen, sondern auch, dass sie sich während dieser Zeit nicht motorisch oder sprachlich beschäftigen. Diese Zeitfenster in der Entwicklung sind irgendwann geschlossen und es wird enorm schwer, das nachzuholen", sagt Fisch. Bis zum Alter von vier Jahren haben ihre Kinder darum keinen Bildschirm gesehen. "Wir haben immer versucht, die möglichen Gefahren zu erklären und ihnen gesunden Umgang vorzuleben. Das ging so weit, dass mein Mann seine Sportschau nicht schauen durfte", erinnert sie sich lachend.
Erst später hat sich die Familie einmal die Woche, immer freitagabends "mat Schnittercher an an Decken agewéckelt" vor den Fernseher gesetzt, um zusammen einen Film zu schauen. "Und das haben wir im Grunde beibehalten bis jetzt. Also ich könnte nicht sagen, dass sie noch kein einziges Mal gefragt haben, aber generell gab es nie Diskussionen, unter der Woche zu fernsehen. Es ist einfach kein Thema." Das erste Handy hat ihr Sohn mit zwölf Jahren bekommen, weil er es gebraucht hat, um den Schultransport zu nutzen.
Damit gehört er laut der im Bee Secure Radar zitierten miniKIM-Studie aus Deutschland zu den letzten zehn Prozent der Kinder, die ein Smartphone bekommen – 90 Prozent besitzen vorher eines, jedes fünfte Kind bereits im Alter von neun Jahren. Bei Tablets geht es noch schneller: Mit acht Jahren besitzt bereits mehr als jedes dritte Kind eines, mit zehn Jahren ist es schon die Hälfte.
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