Journalist*innen als Zielscheibe

Von Sarah Raparoli

Journalist*innen überprüfen Fakten, liefern Hintergründe und informieren Menschen. Wenn im eigenen Land jedoch Krieg herrscht, wird ihre Arbeit eine tagtägliche Herausforderung, für die sie das eigene Leben aufs Spiel setzen. Zwei Journalistinnen aus der Ukraine berichten.

Es ist ein Krieg, der nicht nur ein Land visiert. Ein Krieg, der Menschen – Zivilist*innen – angreift. Und ein Krieg, der darauf abzielt, durch Falschmeldungen, Desinformation und russische Propaganda die Entschlossenheit der Bürger*innen in der Ukraine zu schwächen. „Die russische Propaganda, die auf Hochtouren läuft, ist nicht nur der militärische Apparat, sondern auch die Desinformationsmaschine.“ Olga Tokariuk bringt in einem Satz auf den Punkt, was in der Ukraine vor einem Monat Realität wurde. Die unabhängige Journalistin versucht wohl mehr denn je Informationen zu prüfen und Fake News zu widerlegen. Durch Menschen wie sie erfährt die Welt im Minutentakt, was wirklich vor sich geht. Gleichzeitig sind es Menschen wie sie, die unter solchen Umständen besonders herausgefordert werden. Sie begeben sich in Lebensgefahr, indem sie ihren Job machen.

„Russland versucht, Wahrheit und Fakten über das, was gerade passiert, zu verschleiern. Sie möchten von den Straftaten, die das russische Militär begeht, ablenken.“ Das geht so weit, dass Journalist*innen, die zuvor vom russischen Militär gefangen genommen wurden, nur unter einer Bedingung freikommen: die Aufnahme eines Videos. So auch der Fall bei der am 14. März verschwundenen Kyjiwer Journalistin Wiktorija Roschtschyna. „Sie wurde gezwungen zu behaupten, dass russische Besatzer ihr das Leben gerettet hätten. Offensichtlich wurde dieses Video in Gefangenschaft aufgenommen und soll nur dem Zweck, dienen, dass die Russen es in ihren staatlich kontrollierten Medien zeigen können, um sich als Helden zu präsentieren.“

Kolleg*innen in Gefahr

Dass die Arbeit der Journalist*innen immer gefährlicher wird, zeigt leider nicht nur der Fall von Wiktorija Roschtschyna. Mindestens zwölf Journalist*innen sind seit dem Einmarsch Russlands getötet worden, darunter ein früherer Kollegin Tokariuks. „Wir hatten keinen intensiven Kontakt, aber das ist eine Person, die ich kenne, mit der ich zusammengearbeitet habe und schöne Erinnerungen verbinde.“ Ein anderer Journalist, der Fox-News-Kameramann Pierre Zakrzewski wurde ebenfalls getötet. „Ich wurde Anfang Februar von Fox News interviewt, Pierre hat das Interview gefilmt. Wir hatten nur einen kurzen Austausch, aber es existiert ein Foto, wie er mich filmt.“ Es scheint so, als könne Tokariuk selbst noch nicht begreifen, dass Menschen, die sie kennt, getötet wurden.

„Besonders auffällig ist, dass Journalisten offenbar absichtlich angegriffen werden. Diese Personen trugen Helme. Sie trugen Schutzwesten mit Presse- und Erkennungszeichen und waren sehr erfahrene Leute.“ Zum Zeitpunkt unseres Gespräches wird ein weiterer Kollege, der Fotograf Max Levin, vermisst. „Auch er ist sehr erfahren. Wir wissen nicht, ob er vermisst wird, gefangen genommen wurde oder bereits tot ist. Es ist sehr, sehr besorgniserregend.“

Zwei Journalisten der Nachrichtenagentur AP haben mehr als zwei Wochen aus Mariupol berichtet. Sie waren es, die den Angriff auf die Entbindungsklinik für die Welt dokumentieren. „Ihre Geschichte ist bemerkenswert, denn es ist im Wesentlichen der Arbeit dieser Fotografen zu verdanken, dass wir wissen, was in der Stadt passierte. Sie erzählten später, dass sie auf russischen Abschusslisten standen … Die Russen suchten nach ihnen.“

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