Geschwisterstreit im Klassenzimmer

Von Misch PautschLex Kleren

Eine Verhandlung über Arbeitsbedingungen zwischen dem Bildungsministerium und den Gewerkschaften des Sektors sorgt für Kopfschmerzen bei den Beteiligten. So weit, so normal. Neu ist, dass es die Gewerkschaften sind, die sich in den Haaren liegen. Wenn zwei sich streiten …

Im Bildungssektor steht eine Reform im Raum und wie so häufig kommt mit ihr die Kontroverse: Dieses Mal ist das heiße Eisen das Abkommen vom 16. November 2021 über die Rahmenbedingungen der Arbeit des sogenannten „EPS“, also des Personals im Bildungs- und psycho-sozialen Bereich, die mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen arbeiten. Der Knackpunkt: Von den fünf Organisationen, die seit Januar 2020 an dem Abkommen gearbeitet haben, haben nur drei es auch unterschrieben. Trotzdem soll das Dokument nun als Vorlage für ein Gesetzesprojekt dienen, das die Zukunft des Berufssektors für Jahre definieren wird.

„Gute, ordentliche und gesetzlich gesicherte Arbeitsbedingungen“, sehen die Gewerkschaften alee (Association Luxembourgeoise des Educateurs et Educatrices), SLEG (Syndicat Luxembourgeois des Educateurs Gradués) und SPEBS (Syndicat du personnel de l’éducation nationale oevrant spécifiquement dans l’intérêt des élèves à besoins éducatifs spécifiques) im Abkommen, das sie gemeinsam mit dem Bildungsministerium unterzeichnet haben. „Einen Wischiwaschi-Text, der in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entstanden ist und der Qualität unserer Arbeit schaden wird“, meint Nadia Ruef, Präsidentin der APCCA (Association du personnel des centres de compétences et de l'agence : éducatif et psychosocial), die, wie auch der SEW (Syndicat Erzéiung a Wëssenschaft am OGBL) seit Januar mit am Verhandlungstisch saß, bis sie, wie ihre Präsidentin Nadia Ruef sagt, im Sommer plötzlich ausgeschossen wurden.

Wir müssen reden

Seit Jahrzehnten bestand Redebedarf zwischen den unterschiedlichen Akteuren, darüber waren sich alle Parteien einig. Es galt einige Themen aufzuarbeiten, bei denen es überraschen mag, dass sie nicht längst in Stein gemeißelt sind. So sollte ein „Référentiel des Fonctions et Missons“ erstellt werden, in dem erstmalig genaue Arbeitsfelder des Personals definiert werden, die mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen arbeiten. Denn es war bisher nicht in jedem Fall genau festgelegt, wer macht was. Wer ist beispielsweise dafür verantwortlich, die Kinder vom Bus in die Schule zu begleiten oder in der Kantine zu betreuen? Während mit dem Gesetz, das 2018 die „Education differentiée“ unter anderem in die acht Kompetenzzentren reorganisiert hat, einige Schritte Richtung Klarheit genommen wurden, bleibt noch viel Interpretationsspielraum.

Insbesondere in der komplexen Hierarchie des luxemburgischen Schulsystems sind präzise Arbeitsdefinitionen zentral. Interdisziplinäre Arbeitsgruppen sind an der Tagesordnung, Gesprächspartner*innen müssen also klar definiert werden, damit nicht aneinander vorbeigeredet wird. „Wir haben immer mehr Rückmeldungen von Leuten, die mit Kindern arbeiten, bekommen. Sie sagten uns, dass einige Situationen von unterschiedlichen Schuldirektionen plötzlich anders gehandhabt wurden als bisher“, schreiben Jessica Thiel, Präsidentin des SPEBS und Mario Maia, Präsident des SLEG auf unsere Anfrage hin. Gegen diese arbiträren Änderungen, die den Arbeitsalltag erschweren, habe man sich als Gewerkschaft nicht wehren können, weil der Arbeitsrahmen der Leute nirgendwo eindeutig definiert wurde, so die Personalvertreter*innen. Es bestand dringender Klärungsbedarf.

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