Für wen „entwickeln“ wir eigentlich?

Von Laura TomassiniGilles Kayser

Entwicklungshilfe soll auf nachhaltige Weise dazu beitragen, Ländern mit einer weniger stabilen Wirtschaft und prekären Lebensbedingungen für die dort ansässigen Menschen in eine bessere Zukunft zu verhelfen. Doch auch hier gibt es eine Kehrseite der Medaille, die immer wieder von Aktivist*innen angeprangert wird.

„Was ist eigentlich Entwicklung? Wer definiert diesen Begriff und ist Entwicklung, wie wir sie verstehen, wirklich gleich begehrenswert für alle?“ Mit ihren Fragen trifft Sandrine Gashonga die angesprochene Thematik sofort ins Herz. Entwicklungshilfe – ein Mechanismus, der in Europa seit den 1960er Jahren auf staatlich organisierte Weise in Richtung sogenannter Entwicklungsländer besteht, wird von den einen als lobenswerter Rettungsring gegen Hunger, Armut und Kindersterblichkeit angepriesen, von anderen jedoch als koloniales Erbe verurteilt.

Gashonga gehört zu letzterer Gruppe, denn die Aktivistin und Ausbilderin ist selbst afrikanischer Abstammung und verweist auf die immer noch bestehenden Folgen des europäischen Kolonialismus. „Es wird so getan, als gebe es nur eine einzige Definition von Entwicklung und diese entstammt dem kolonialen Gedanken, der jedem auf der Welt die eigenen Standards aufzwängen möchte“, so die ehemalige Präsidentin und heutige soziokulturelle Koordinatorin von Lëtz Rise Up. Entwicklungshilfe, auch wenn sie heute bevorzugterweise Entwicklungszusammenarbeit genannt wird, gliedere sich in eine globale Strategie europäischer Politik – jener, die selbst erst durch die Kolonialzeiten zu der geworden ist, die sie heute ist.

Überbleibsel aus der Kolonialzeit

„Es wurden damals Machtverhältnisse geschaffen, die heute noch bestehen und diese beeinflussen auch die Weise, wie Entwicklungshilfe konzipiert wird“, so Gashonga. Man dürfe nicht vergessen, dass am 9. Mai 1950, als die Schuman-Erklärung von den heutigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unterzeichnet wurde, ein Großteil der Länder des Nordens noch Kolonien im Süden besaßen. So etwa Frankreich in Mali, Kamerun und Togo (bis 1960), Großbritannien in Ghana (bis 1957) oder Belgien im Kongo (ebenfalls bis 1960) – um nur einige zu nennen. Luxemburg selbst galt zwar nie als Kolonialmacht, dennoch halfen luxemburgische Söldner und Soldaten die Kolonien ihrer Nachbarländer zu erobern und im Großherzogtum wurde u.a. aktiv für den Kolonialdienst im Belgisch-Kongo geworben.

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