Eine Linse zur Erinnerung, ein Objektiv als Sprachrohr

Von Laura TomassiniTammy Schuh

Sie postet von Tanzstunden, Heißluftballons und den Küssen ihrer ganz großen Liebe: Bis vor vier Monaten war Yulia Yamkovas Instagram-Feed noch der einer gewöhnlichen jungen Frau mit großen Träumen. Zwischen Shooting-Videos und Verlobungsposts mischen sich nun jedoch Kriegsbilder und Appelle zum Waffenstopp, denn Yulia will zurück in eine Ukraine ohne Krieg.

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„Zuerst habe ich nur fotografiert, um Erinnerungen festzuhalten. Jetzt nutze ich meine Kamera, um mich für etwas einzusetzen, um Spenden zu sammeln und Menschen zusammenzubringen, für die Ukraine. Mein Insta-Account ist eine Art Blog geworden.“ Am 24. Februar, in den frühen Morgenstunden, veränderte sich Yulia Yamkovas Leben wie das von Millionen anderen Ukrainer*innen. Ein Telefonanruf ihres Schwiegervaters kündigte den Angriff Russlands auf ihr Heimatland an, einige Momente später hörten Yulia und ihr Ehemann bereits die ersten Bomben. Während Letzterer weiterhin in der Ukraine lebt, um vor Ort zu helfen, flüchtete Yulia mit ihrer Mutter nach Luxemburg.

„Mein Zuhause ist bislang unversehrt geblieben. Mein Mann ist dahin zurückgekehrt, weil wir nicht einmal Zeit hatten, die Heizung auszuschalten. Er hat mir auch meine Wyschywanka geholt, das ist ein traditionelles besticktes Kleidungsstück und für uns Frauen sehr wichtig“, so die 28-Jährige. Sie vermisse die gemütlichen Morgen in ihrer gemeinsamen Wohnung in Kyjiw, die Spaziergänge mit ihrem Hund im Park, die Restaurantbesuche mit ihrer Mutter. „Unser Leben war vor dem Krieg friedlich und ich habe es geliebt. Bis vor zwei Jahren habe ich nicht einmal vollzeit Ukrainisch gesprochen, sondern größtenteils Russisch. Das hat sich jetzt natürlich geändert.“

Der Geruch von Zuhause

Die heute zerbombte ukrainische Hauptstadt war schon immer Yulias Zuhause, denn gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern und dem Bruder ihres Opas ist sie hier aufgewachsen. „Der Dnepr-Fluss, der durch die Stadt fließt, hat zwei Ufer. Auf der rechten Seite liegen das Zentrum und die wohlhabenderen Viertel. Links davon sind die Vororte, also die nicht so reichen Gegenden. Dort wurde ich geboren.“ Während Yulias Kindheit nicht von materiellem Wohlstand geprägt war, mangelte es ihr nie am emotionalen. „Ich habe eine große Familie und ich erinnere mich noch gut an den Geruch, wenn meine Großmutter dabei war etwas Leckeres zu kochen. Meine schönsten Erinnerungen sind die von den Feiertagen, das waren immer wundervolle Feste!“

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