Die stille Trauer von Geschwistern

Von Melody HansenLex Kleren

Es gibt ein Wort für ein Kind, das seine Eltern verliert, und eines für Menschen, deren Ehepartner stirbt. Doch für Menschen, deren Geschwister gestorben ist, gibt es kein Wort. Sie trauern oft im Verborgenen. Stefanie Weber war acht, als ihr Bruder Sascha starb. Über zwei Jahrzehnte später bricht sie das Schweigen.

Sascha wäre am 19. Juni 40 Jahre alt geworden. Stattdessen erscheint an dem Tag ein Lied, in dem sein Lachen aus einer alten VHS-Aufnahme zu hören ist. "Für mich war es unfassbar schwer, einen Song über meine Trauer zu schreiben. Dazu musste ich den Schmerz zulassen. Es sind nur Tränen geflossen", erzählt Saschas kleine Schwester Stefanie Weber, als wir uns an einem sonnigen Tag auf einer Terrasse in der Hauptstadt gegenübersitzen. Mit dem Song will sie in Worte fassen, wie sehr ihr Bruder ihr auch 21 Jahre nach seinem Tod noch fehlt – und sie will gegen das Stigma der Gesellschaft angehen. Denn ihr wurde immer das Gefühl gegeben, nach sechs Monaten müsse es ihr ja wohl besser gehen, geschweige denn nach 21 Jahren. "Die Liebe zu meinem Bruder ist so tief. Das wird wehtun, bis ich selbst unter der Erde liege."

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