Die Ernte vom Dach

Von Christian BlockMisch PautschLex Kleren

Drei Jahre nach der Vorstellung einer ersten nationalen Strategie scheint die Zahl der neuen Urban–Farming–Projekte noch überschaubar. Auch Hindernisse und offene Fragen bleiben zu klären. Dabei könnte das Konzept viele positive Effekte haben – für den Einzelnen, die Gesellschaft und das Klima.

Als uns Marcel Deravet in der ersten Juli-Hälfte ins Gewächshaus führt, gibt es erstmal eine Überraschung. Statt Basilikum und Lollo Rosso herrscht auf den fast 400 Quadratmetern gähnende Leere. Weiße, an Dachrinnen erinnernde Behälter, aneinandergereiht. Über ihnen hängen drahtige Schnüre, an denen sich eigentlich Tomatensträucher hochhangeln sollten. Wie sich herausstellt, war die Suche nach einem*r neuen Betreiber*in des Gewächshauses mit Schwierigkeiten verbunden. Doch dazu später mehr.

Fresh ist ein für luxemburgische Verhältnisse einzigartiges Projekt. Mit dem Industriegebiet Wolser befindet sich das Gewächshaus in einem urbanen Gebiet. Zudem ist das Gewächshaus technisch und architektonisch in ein Gebäude integriert.

Mit den halb herabgelassenen, Schatten spendenden Rollos könnte sich das Treibhaus vermutlich auch als unscheinbares verglastes Bürogebäude unter die Kirchberger Gebäudelandschaft mischen. In Wahrheit erinnert es aber stärker an die in den Niederlanden weit verbreiteten Gewächshausanlagen. Es handele sich um „einen relativen leichten Bau“, erklärt Marcel Deravet. Der Bauingenieur koordiniert das Fresh-Projekt. Da die Pflanzen in Hydroponik angebaut werden, die Nährstoffe also aus dem Wasser und nicht aus der Erde entnommen werden, entspreche das einer Belastung von etwa 40 Kilogramm pro Quadratmeter, wo es andernfalls bis zu 900 Kilogramm wären. „Damit hat man etwas, das vergleichsweise leicht ist, sogar im Vergleich zu einem bestehenden Dach“. Das Pilotprojekt soll dabei helfen, falschen Vorstellungen, die beispielsweise von interessierten Gemeinden geäußert werden könnte, entgegenzutreten. Denn mit einem flattrigen Folientunnel auf einem Gebäudedach hat es nichts zu tun. „Deshalb wollten wir ein Gewächshaus, das ästhetisch akzeptabel ist.“

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