"Das gesamte Schulsystem stößt an seine Grenzen"

Von Christian BlockLex Kleren

Sie ist die Stimme der Eltern im Schulsystem: Vor sechs Jahren wurde die Nationale Elternvertretung eingesetzt. Heute sei sie ein anerkannter Gesprächspartner, sagt der scheidende Präsident Alain Massen. Ein Bilanzinterview über Bildungsdialog, Inklusion und Smartphoneverbot.

Wir treffen Alain Massen an einem Dienstagvormittag in seiner Praxis. Dort nimmt der Psychotherapeut ausnahmsweise auf dem Sessel Platz, der seinen Patient*innen vorbehalten ist. Massen ist seit sechs Jahren das Gesicht der Nationalen Elternvertretung. Im Journal-Interview spricht er über die Arbeit von Elternkomitees, Smartphoneverbot, das Projekt Alpha und darüber, was es braucht, um Inklusion möglich zu machen.

Lëtzebuerger Journal : Alain Massen, vor sechs Jahren, am 8. Februar 2020, wurden die ersten nationalen Vertreter*innen der institutionell eingesetzten Elternvertretung gewählt. Nach zwei Mandatsperioden – diese Obergrenze sieht das Gesetz vor – wird im kommenden Monat ein*e neue*r Präsident*in übernehmen. Hätten Sie diese Aufgabe noch einmal übernehmen wollen?

Alain Massen: Das waren jetzt zwei Mal drei Jahre, also schon eine Zeitspanne, der man seinen Stempel aufdrücken kann. Das Mandat auszuüben, kostet sehr viel Zeit und Energie. Als Selbstständiger hätte ich diese auch anders investieren können, zum Beispiel, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Jetzt ist wichtig, dass neue Ideen Einzug erhalten. Ich habe mich allerdings auch diesmal aufgesetzt, um weiter im Nationalkomitee aktiv zu sein, wenn ich denn gewählt werde.

Was behalten sie von Ihrer sechsjährigen Präsidentschaft zurück – fangen wir mit dem Negativen an?

Ich bedauere, dass praktisch die ersten beiden Jahre Covid zum Opfer gefallen sind und nichts anderes Thema war. Das hinterlässt eine Träne in meinem Auge, weil ich das Gefühl habe, während zwei Jahren nicht viel erreicht zu haben. Wir sind uns innerhalb des Komitees über zwei Jahre nicht einmal begegnet.

Und was behalten Sie als den positivsten Moment zurück?

Das würde ich nicht an einem Moment festmachen wollen. Als größte Errungenschaft würde ich es sehen, dass wir zum Schluss der ersten und dann in der zweiten Mandatsperiode die Arbeit der nationalen Elternvertretung festigen konnten. Ich denke, wir sind inzwischen ein anerkannter Gesprächspartner, sowohl für das Ministerium wie auch für die Schulen oder die Politik. Wir konnten ein Netzwerk aufbauen und erklären, wie wir funktionieren. Wir sind keine Gewerkschaft, die bei allem "Nein" schreit oder nur Forderungen stellt, ohne Lösungen vorzuschlagen. Das ist nicht unsere Rolle. Wenn man 300.000 Eltern vertritt, muss man konstruktiv an die Sache herangehen und sich anschauen, was klappt und was nicht.

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