Aus Hass-Liebe zum Automobil

Von Misch Pautsch

Die Luxemburger*innen lieben ihre Autos. Kaum ein anderes Objekt ist mit so viel Emotionen verbunden. Aber auf der Straße kollidieren Weltansichten: Liebhaber*innen fahren neben Zwangsnutzer*innen, schnittige Sportwagen stehen neben klobigen Familienkutschen. Häufig kochen die Emotionen hoch. Doch warum ist das Automobil eigentlich so häufig Reizthema?

Vorsprung durch Technik? Wenn der Werbeslogan stimmt, hat Luxemburg die Nase vorn: Stand 2020 gibt es in keinem anderen EU-Staat pro Einwohner so viele Autos wie in Luxemburg: 696 PKWs sind pro 1.000 Einwohner hier gemeldet. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 580 und in Frankreich 570. Wer die Straßen des Großherzogtums befährt, kommt kaum drumherum, sich in den zuverlässig aufkommenden Staus in aller Ruhe tiefgründig mit dieser Beliebtheit zu beschäftigen. Da kann die "Freude am Fahren" schon leiden. Ob die Idee zur Petition, Fahrräder zur "Sicherheit" und "für den Umweltschutz" von Landstraßen zu verbannen, im Stau entstanden ist oder nicht, zeigt sie – genau wie die Gegeninitiative, aus denselben Gründen doch lieber Autos dort zu verbieten – einen Trend: Die Stimmung der Verkehrsteilnehmer*innen ist oft gereizt. Manchmal artet dies in Road-Rage-Schlägereien auf offener Straße aus, häufiger in kleinen bis internationalen Diskussionen, in denen beide Seiten sich selbst auf wissenschaftliche Faktenlage und Vorausblick berufen wollen, während sie der anderen der "Rückständigkeit", "Ideologie" und "Technologiefeindlichkeit" bezichtigen. Und in der Mitte, mit den Worten von VW: das Auto.

Es ist genau diese Schwarzweißmalerei, die Vania Henry, Verantwortliche für Marketing-Kommunikation und Produktentwicklung beim Automobilclub Luxemburg (ACL) beklagt. "Wir finden es schade, dass die Leute so stark polarisiert werden. Es ist enorm wichtig, dass verschiedene Perspektiven vertreten werden, aber Verständnis und Zusammenleben sind unter dem Strich das Wichtigste." Dies sollte an sich umso einfacher sein, da "die meisten unserer Mitglieder zwar mit dem Auto fahren, doch sie sind auch oft mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs". Vor allem auf den Sozialen Medien sehe man viel Aggressivität, obschon die Mobilitätssituation Zusammenarbeit erfordere.

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