Schon lange unter der Haut

Von Laura TomassiniLex Kleren

Laut TNS Ilres war 2016 insgesamt ein Viertel der Luxemburger Bevölkerung tätowiert. Heute, sieben Jahre später, sind es wahrscheinlich nochmals mehr. Bereits in den 80ern erfreuten sich Tattoos im Großherzogtum an Beliebtheit – damals jedoch noch eher als Randerscheinungen und bei jenen, die sich selbst als Rebell*innen bezeichneten.

„Heute ist jeder tätowiert, aber damals, als ich meine ersten Tattoos stechen gelassen habe, wurden diese noch mit Häftlingen oder Matrosen assoziiert.“ 36 Jahre ist es her, dass Fabrizio Coccia zum ersten Mal ins Tattoo-Studio ging, um sich ein Bild auf der Haut verewigen zu lassen. Die Wahl des damals 17-Jährigen fiel auf eine Löwin – sein Sternzeichen, jedoch in weiblicher Form, da es so „dezenter“ auf seiner Schulter wirkte. Der Körperschmuck war für den Lehrling eine große Investition, denn als Minderjähriger verdiente er nicht viel und von seinen Eltern konnte er sich für den verpönten Körperschmuck keine finanzielle Unterstützung erhoffen. „Ich habe also gespart, bis ich die benötigten 3.000 Luxemburger Franken zusammen hatte und so hat alles angefangen“, erinnert sich der Gemeindearbeiter.

Nach dem Horoskop-Symbol folgte ein Einhorn auf der linken Schulter, ein weiteres Tattoo als Erinnerung an seine Zeit in der Fremdenlegion, ein Panther, ein zweiter Löwe – diesmal mit einer Frauenfigur, die von ihm beschützt wird. Mit 50 war für Fabrizio dann Schluss mit den einzelnen Motiven: Er entschloss sich, alle Bilder mit Cover-Ups zu überdecken und eine neue Richtung einzuschlagen. „Ich fand es sei Zeit etwas zu verändern“, sagt der heute 53-Jährige. Binnen zwei Jahren ließ er quasi all seine alten Tätowierungen überdecken und seine Haut in frischer Tinte neu erstrahlen. „Anfangs wollte ich Fuchur, den Glücksdrachen aus dem Film The NeverEnding Story, drüber stechen lassen, da ich ein großer Fan von ihm bin. Mein Tätowierer meinte allerdings zu mir, dafür würde er zu viel Weiß benötigen, was die alten Motive nicht ordentlich covern würde, also entschied ich mich für einen anderen Stil.“

Ein ganz neuer Stil

Nach intensiver Recherche entschloss sich Fabrizio für die Symbole der Maori, die als indigene Bevölkerung Neuseelands bereits seit Jahrhunderten ihre Gesichter und Körper mit bedeutungsvollen Motiven zieren. „Mein Traum war es schon immer, irgendwann einmal nach Neuseeland oder Australien zu reisen, um die Kulturen dort kennenzulernen. Die Tattoos der Maori erzählen die Geschichte ihres Lebens und das hat mich einfach fasziniert“, erklärt Fabrizio seine Inspiration. Nach und nach ließ er also die verblassten und teilweise nicht mehr genau erkennbaren Tattoos seiner Jugend verschwinden, dies ganz zum Leidwesen seines Tätowierers. „Ich habe alles bei einem Guest Artist aus Brasilien stechen lassen. Für ihn waren meine Tattoos richtig oldschool, so dass er sie nur schweren Herzens covern wollte.“

Tränen gab es schließlich nur auf Fabrizios Seite – vor Schmerz, denn mitunter sein Rücken musste in Sessions von jeweils zwölf und 14 Stunden neu gestaltet werden. „Dafür musste ich wirklich die Zähne zusammenbeißen, aber das Resultat kann sich sehen lassen“, meint der Tätowierte. Anders als noch vor 30 Jahren wird heute nicht mehr nur mit einer einzigen Nadel gestochen, sondern für Schattierungen gleich mit mehreren Duzend, so dass nicht nur die Qualität der Bilder anders ist, sondern ebenfalls das Erlebnis beim Stechen. Wie es früher war, daran kann sich auch Sonja Schneider noch gut erinnern. Nur zwei oder drei Tage nach ihrem 18. Geburtstag ließ sie sich ihr allererstes Tattoo stechen – das genaue Datum entfällt der heute 57-Jährigen, schließlich liegt dieses fast 40 Jahre zurück.

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