Kommt wie gerufen

Von Christian BlockLex Kleren

In fast allen Gemeinden des Landes können Einwohner*innen heute einen Rufbus bestellen. Vor allem befördern sie Kinder und ältere Mitbürger*innen. Davon profitiert die Gesellschaft – auch wenn die Kosten nicht unerheblich sind.

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Sie heißen Walfy, Schengi oder Bummelbus und haben sich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte zunehmend im Großherzogtum etabliert. Es geht um Rufbusse, Tür-zu-Tür-Sammeltransporte. Eine Recherche des Journal hat ergeben, dass inzwischen 85 Gemeinden über ein lokales Busangebot verfügen. Die allermeisten bieten ihren Einwohner*innen einen Rufbusdienst an (82), manche darüber hinaus oder exklusiv einen örtlichen Linienbus. Late-Night-Angebote beziehungsweise Schultransporte sind dabei nicht mitgezählt.

Rufbusse sind keine neue Erfindung. "Demand-responsive transport" (DRT, auf Deutsch etwa: bedarfsorientierter Transport) oder Dial-a-Ride-Systeme führt die Forschung mindestens auf die 1970er Jahre zurück. Eine Studie aus dem Jahr 2015 beschreibt sie als eine Antwort auf eine "dynamische Nutzernachfrage", die von einem auf eine kritische Masse ausgerichteten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit festen Fahrplänen nicht bedient werden kann. Meistens handele es sich um Dienste für bestimmte Personengruppen, vor allem ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung.

Eine andere Arbeit der schwedischen Lund-Universität kam 2019 zum Schluss, dass DRT-Systeme eine Art Revival erleben, diesmal aber vor allem im urbanen statt im ländlichen Raum, und indem sie sich an ein breiteres Publikum richten. Eine Entwicklung, die ohne Zweifel zum Teil auch auf Luxemburg zutrifft. Denn selbst in den Städten des Südens ergänzen Rufbusse vielerorts das Mobilitätsportfolio von öffentlichem Transport und Stadtbussen.

Rufbusse als Inklusionsfaktor

Eine Umfrage des Journal unter verschiedenen Akteuren zeigt, dass heute vor allem zwei Bevölkerungsgruppen von Rufbussen profitieren: Minderjährige und ältere Menschen. Für letztere sind Rufbusse eine Möglichkeit, länger autonom zu sein, wenn sie nicht mehr Auto fahren können oder wollen beziehungsweise für die die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln aus verschiedenen Gründen zu beschwerlich ist. Ein Beispiel ist die Gemeinde Sassenheim. 2014 als Dienst für ältere Mitbürger*innen eingeführt, kann der Rufbus inzwischen von allen Einwohner*innen der Gemeinde genutzt werden. Die geografische Verteilung der verschiedenen Ortschaften und zum Teil auch ihre Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel seien damals Beweggründe gewesen, wie die Gemeinde schriftlich mitteilte. Um beispielsweise von Ehleringen zum Gemeindehaus in Beles zu gelangen, benötigt man mindestens 20 Minuten mit dem Bus und muss sogar einmal umsteigen, wo die direkte Fahrt von Tür zu Tür in knapp zehn Minuten zu schaffen ist.

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