Die Linien neu ziehen

Von Jesse DhurGilles Kayser Für Originaltext auf Englisch umschalten

Die Geografie, das Studium von Orten und Räumen, hat eine kreative Wende erlebt. Initiativen zur Förderung einer künstlerischen Sensibilität gegenüber der Erde tauchen immer häufiger auf. Zwei an die Minett-Region gebundene Wissenschaftler schlagen eine Brücke zwischen Forschung und kreativer Arbeit und teilen ihre Ansichten über ein neues Verständnis unserer Lebensräume.

„Es kommt nicht darauf an, was man sich ansieht, sondern was man sieht.“ Dieser Aphorismus stammt ursprünglich von dem US-amerikanischen Schriftsteller und Dichter David Henry Thoreau aus dem 19. Jahrhundert und ist laut Robert Weis der beste Versuch, das Wesen des Projekts der Geopoetik zu erfassen. „Thoreaus berühmte Worte heben den subtilen, aber bedeutsamen Unterschied zwischen Sinnen und Wahrnehmung bzw. Erfahrung hervor, der für das Verständnis des geopoetischen Ansatzes entscheidend ist. Die Sinne liefern uns zwar Daten über die äußere Welt, aber sie erlauben uns oft nicht, ein Objekt oder eine Landschaft, die wir mit unseren Augen sehen, ganzheitlich zu erleben“, sagt Weis. „Geopoetics bedeutet, über diesen begrenzten Gebrauch unserer Sinne und unserer Rationalität hinauszugehen und lädt uns ein, uns auf Gefühl und Intuition einzulassen.“

Geopoetics – internationale Bewegung, Ansatz und Praxis unter einem Label

Auch wenn Weis' Darstellung für manche westlich geschulten Gemüter etwas mystifiziert oder ungreifbar erscheinen mag, so wurzelt seine Begeisterung für die Geopoetik doch in erster Linie in der wissenschaftlichen Erforschung der natürlichen Welt. Weis, der selbst Geowissenschaftler ist und seit 2002 die paläontologischen Sammlungen des Nationalmuseums für Naturgeschichte (MNHN) leitet, hat den größten Teil seines Lebens der Aufdeckung der verborgenen oder vergrabenen Teile unserer Naturlandschaften gewidmet. „Anstatt zu versuchen, die objektive Empirie zu bekämpfen oder zu beseitigen, versucht die Geopoetik, intellektuelles Wissen mit empfindsamem Erfahrungswissen in Einklang zu bringen“, erklärt der Forscher. „Dementsprechend sucht sie nach einem ganzheitlichen, erneuerten Sinn für die Erde, auf der wir wandeln, für die Orte, an denen wir wohnen, und für das natürliche Ökosystem, dessen Teil wir alle sind.“

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