Akute Anämie

Von Melody HansenLex Kleren

Ein Drittel der jungen Menschen, die im Ausland Medizin studieren, bleibt später dort, um zu praktizieren. Gleichzeitig sind lange Wartezeiten, überfüllte Notaufnahmen und Ärzt*innen, die keine neuen Patient*innen mehr annehmen, in Luxemburg an der Tagesordnung. Warum so wenige zurückkommen und wie eine Reform zur verpassten Chance wurde.

Charel (Name von der Redaktion geändert) hat bereits ein sechsjähriges Grundstudium in Medizin in Deutschland hinter sich. Als er sich entscheiden muss, ob er für die Spezialisierung in Deutschland bleibt oder zurück nach Luxemburg kommt, fällt seine Entscheidung auf sein Heimatland. Und das, „obwohl es nicht wirklich viele Kriterien gibt, die dafürsprechen“, wie er sagt. Nik (Name von der Redaktion geändert), ebenfalls Assistenzarzt in Luxemburg, sitzt neben ihm und nickt mit dem Kopf. Auch er hat sich für Luxemburg entschieden und auch er findet, dass Assistenzärzt*innen hier nicht genug Wertschätzung erfahren. „Der Grundtenor der ganzen Diskussion ist, dass wir gebraucht werden, aber niemand Bock hat, etwas für uns zu tun“, bringt Charel seine Frustration auf den Punkt.

Dass die Nachwuchsärzt*innen gebraucht werden, ist unumstritten: Bis 2034 gehen 71 Prozent der Ärzt*innen in Luxemburg in Rente. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die 2018 vom damaligen Gesundheitsminister Etienne Schneider (LSAP) in Auftrag gegebene Studie „Etat des lieux des professions de santé et des professions médicales“, die von Marie-Lise Lair durchgeführt und 2019 präsentiert wurde. Als ob die Situation – die sich in einen weltweiten Ärzt*innenmangel einreiht und durch eine wachsende und älter-werdende Bevölkerung verstärkt wird – nicht bereits besorgniserregend genug wäre, sticht aus heutiger Sicht beim Blick in die Power-Point-Präsentation von damals vor allem ein Satz auf Seite elf ins Auge: „Pas de situation épidémiologique nécessitant plus de ressources professionnelles (Keine epidemiologische Situation, die mehr professionelle Ressourcen erfordert)“. Wie sich die Lage durch die Pandemie verändert hat, konnte das Gesundheitsministerium, laut eigenen Aussagen, durch Zeitmangel aufgrund eben dieser Pandemie, noch nicht ermitteln. „Die Zahlen von 2018 sind die aktuellsten, die wir haben“, heißt es aus der Villa Louvigny.

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